Ein Leveraged Buy Out (LBO) ist eine Unternehmensübernahme, bei der 60-80% des Kaufpreises durch Fremdkapital finanziert werden. Der Käufer setzt dabei nur einen geringen Eigenkapitalanteil ein und nutzt die zukünftigen Cashflows des übernommenen Unternehmens zur Rückzahlung der Kredite.
Funktionsweise eines LBO
Bei einem Leveraged Buy Out wird typischerweise eine Erwerbsgesellschaft (oft als „NewCo“ bezeichnet) gegründet, die den Kaufpreis durch eine Kombination aus Eigenkapital und Fremdkapital finanziert. Die Fremdkapitalgeber erhalten dabei häufig Sicherheiten am zu erwerbenden Unternehmen selbst. Nach dem Erwerb werden die Gesellschaften verschmolzen, sodass das operative Unternehmen die Schulden trägt.
Die Verschuldungsquote bei LBOs liegt je nach Branche und Marktumfeld zwischen dem 4- und 7-fachen EBITDA. In Hochzinsphasen sinkt dieser Hebel, in Niedrigzinsphasen steigt er tendenziell. Entscheidend für die Finanzierbarkeit sind stabile, prognostizierbare Cashflows des Zielunternehmens.
Typische Käufergruppen für LBO-Transaktionen
Private-Equity-Gesellschaften sind die häufigsten Initiatoren von LBOs. Sie erwerben Unternehmen mit dem Ziel, diese innerhalb von 3-7 Jahren mit Gewinn weiterzuverkaufen. Daneben nutzen auch Management-Teams diese Finanzierungsstruktur bei Management Buy Outs (MBO), um ihr eigenes Unternehmen oder ihren bisherigen Arbeitgeber zu übernehmen.
Praxis-Beispiel: LBO im deutschen Mittelstand
Ein produzierendes Unternehmen mit 8 Mio. € EBITDA wird zu einem Kaufpreis von 48 Mio. € (6x EBITDA) verkauft. Die Private-Equity-Gesellschaft strukturiert die Finanzierung wie folgt:
- Eigenkapital: 12 Mio. € (25%)
- Senior Debt (Bankfinanzierung): 28 Mio. € (58%)
- Mezzanine-Kapital: 8 Mio. € (17%)
Die jährlichen Cashflows von etwa 6 Mio. € (nach Investitionen) werden prioritär zur Tilgung der Fremdkapitalanteile verwendet. Nach 5 Jahren ist die Verschuldung auf 18 Mio. € reduziert, während der Unternehmenswert durch operative Verbesserungen auf 60 Mio. € gesteigert wurde.
Relevanz für den Unternehmensverkauf
Für Verkäufer bringen LBO-Käufer spezifische Vor- und Nachteile mit sich. Positiv ist die oft höhere Zahlungsbereitschaft gegenüber strategischen Käufern, da Private-Equity-Gesellschaften mit Hebeleffekten arbeiten und dadurch höhere Eigenkapitalrenditen erzielen können. Zudem verläuft der Kaufprozess in der Regel professionell und zügig.
Kritisch zu beachten ist die hohe Verschuldung nach dem Verkauf. Dies kann die wirtschaftliche Stabilität des Unternehmens beeinträchtigen und erfordert strikte Kostendisziplin. Für Verkäufer, die Earn-Out-Vereinbarungen eingehen oder Mitarbeiter langfristig abgesichert sehen möchten, sollte die Finanzierungsstruktur genau geprüft werden.
Steuerliche Aspekte
Die hohe Fremdkapitalquote beim LBO führt zu erheblichen Zinsaufwendungen beim erworbenen Unternehmen. Diese sind steuerlich abzugsfähig und reduzieren die Steuerlast, was den „Tax Shield“-Effekt erzeugt. Allerdings ist seit der Einführung der Zinsschranke nach § 4h EStG die Abzugsfähigkeit bei bestimmten Konstellationen begrenzt.
Verkäufer sollten unabhängig von der Käuferstruktur ihre eigene steuerliche Situation optimieren, etwa durch Nutzung des Freibetrags bei Veräußerung von GmbH-Anteilen oder durch eine steuerneutrale Umstrukturierung vor dem Verkauf gemäß UmwStG.