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📊 Bewertungsmethoden-Leitfaden

Multiplikatorverfahren – Unternehmenswert berechnen Schritt für Schritt

Die in der Praxis am häufigsten verwendete Methode zur Unternehmensbewertung im Mittelstand – mit aktuellen DUB Q1/2026-Multiples nach Branche und Unternehmensgröße (Micro/Small/Mid-Cap).

Q1/2026
DUB-Daten
20 Branchen
Im Vergleich
3 Größenklassen
Micro/Small/Mid
CEPA
Zertifiziert

In diesem Leitfaden erfahren Sie Schritt für Schritt, wie das Multiplikatorverfahren funktioniert, welche Multiplikatoren es gibt und wie Sie es für Ihre Unternehmensnachfolge oder Ihren Unternehmensverkauf nutzen können – inklusive aktueller DUB Q1/2026-Multiples nach Branche und Größenklasse.

Severin Borch, Exit Coach
Severin Borch CEPA-zertifiziert · M&A-Berater für den deutschen Mittelstand · 10+ Jahre Erfahrung · Aktualisiert am 12.06.2026
Kurzantwort

Das Multiplikatorverfahren ist die am häufigsten verwendete Methode zur Unternehmensbewertung im Mittelstand. Der Unternehmenswert wird aus einer Finanzkennzahl (EBITDA, EBIT oder Umsatz) multipliziert mit einem branchenüblichen Faktor berechnet. Aktuelle DUB-Daten (Q1/2026) zeigen für den deutschen Mittelstand EBITDA-Multiples zwischen 2,4x (Konsumgüter Micro-Cap) und 10,4x (Software Mid-Cap) – differenziert nach Branche und Unternehmensgröße.

Was ist das Multiplikatorverfahren?

Das Multiplikatorverfahren (auch: Multiple-Verfahren oder Marktwertverfahren) ist eine Methode zur Unternehmensbewertung, die auf dem Vergleich mit ähnlichen Unternehmen basiert. Dabei wird eine finanzielle Kennzahl Ihres Unternehmens – typischerweise EBIT, EBITDA oder Umsatz – mit einem branchenüblichen Faktor (dem "Multiplikator" oder "Multiple") multipliziert.

Einfache Formel:

Unternehmenswert = Kennzahl (z.B. EBIT) × Multiplikator

Die Grundidee: Unternehmen mit ähnlichen Eigenschaften sollten ähnliche Bewertungen haben. Das Multiplikatorverfahren nutzt daher reale Marktdaten aus vergleichbaren Transaktionen, um eine marktnahe Wertbandbreite zu ermitteln. Es zählt zu den Marktwertverfahren der Unternehmensbewertung – im Gegensatz zu Ertragswert- oder Substanzwertverfahren, die unternehmensintern rechnen.

Wie funktioniert das Multiplikatorverfahren?

Die Anwendung des Multiplikatorverfahrens erfolgt in fünf Schritten:

1

Kennzahl auswählen

Je nach Branche wählen Sie EBIT, EBITDA oder Umsatz als Bezugsgröße. Bei profitablen Unternehmen ist EBIT oder EBITDA üblich, bei Wachstumsunternehmen oft der Umsatz.

2

Kennzahl normalisieren

Bei inhabergeführten Unternehmen: EBIT um überhöhtes Geschäftsführergehalt, private Ausgaben und einmalige Kosten bereinigen ("normalisiertes EBIT"). Typisch erhöht sich das EBITDA dadurch um 20-50%.

3

Multiplikator nach Branche & Größenklasse ermitteln

Branchenmultiplikatoren aus Transaktionsdatenbanken oder Vergleichsunternehmen heranziehen – differenziert nach Unternehmensgröße (Micro/Small/Mid-Cap, siehe Tabelle unten).

4

Unternehmenswert berechnen

Normalisierte Kennzahl × Multiplikator = Enterprise Value (Unternehmenswert vor Abzug von Schulden). Für den Equity Value zusätzlich Schulden abziehen und Cash addieren.

5

Feinabstimmung vornehmen

Individuelle Faktoren berücksichtigen: Wachstum, Kundenkonzentration, Inhaberabhängigkeit, Marktposition – diese können den Multiplikator innerhalb der Bandbreite nach oben oder unten verschieben (typisch +/- 20-30%).

Arten von Multiplikatoren

Je nach Branche und Unternehmenssituation kommen unterschiedliche Multiplikatoren zum Einsatz:

EBITDA-Multiplikator

Unternehmenswert ÷ EBITDA

Marktstandard bei M&A im Mittelstand. EBITDA = EBIT + Abschreibungen. Typische Range Q1/2026: 4-7x bei Micro-Cap, 5-10x bei Mid-Cap.

EBIT-Multiplikator

Unternehmenswert ÷ EBIT

Häufig bei Dienstleistern mit geringen Abschreibungen. EBIT = Gewinn vor Zinsen und Steuern. Typisch +20-30% über EBITDA-Multiple (weil EBIT kleiner ist).

Umsatzmultiplikator

Unternehmenswert ÷ Umsatz

Für Unternehmen mit geringem oder negativem Gewinn (z.B. Startups, Wachstumsunternehmen). Typische Range: 0,5-2x Umsatz – bei SaaS auch deutlich höher.

Wichtig zu verstehen:

Der Umsatzmultiplikator berücksichtigt nicht die Kostenstruktur. Zwei Unternehmen mit gleichem Umsatz können völlig unterschiedlich profitabel sein. Deshalb ist der EBIT- oder EBITDA-Multiplikator bei profitablen Unternehmen aussagekräftiger.

Branchenmultiplikatoren Q1/2026 nach Größenklasse

Die aktuellen DUB-KMU-Multiples (Q1/2026) zeigen Multiplikatoren erstmals differenziert nach Unternehmensgröße: Micro-Cap (Umsatz < 5 Mio. €), Small-Cap (5-50 Mio. €), Mid-Cap (> 50 Mio. €). Hier ein Auszug der wichtigsten Branchen – die vollständige Tabelle mit 20 Branchen × 3 Größenklassen finden Sie auf unserer EBITDA-Multiples-Seite.

Branche (Auszug) EBITDA-Multiple (Mittel)
Micro-Cap
< 5 Mio. € Umsatz
Small-Cap
5-50 Mio. €
Mid-Cap
> 50 Mio. €
Software & Digitale Plattformen ~7,0x ~8,7x ~9,4x
Maschinen- & Anlagenbau ~4,5x ~5,2x ~6,4x
IT-Services & Systemhäuser ~6,0x ~7,2x ~8,3x
Gesundheitswesen (Pflege, Arzt, Tierarzt) ~5,5x ~7,0x ~8,5x
Bau & Handwerk ~4,4x ~5,0x ~6,4x
Handel & E-Commerce ~5,3x ~6,2x ~8,5x
Transport & Logistik ~4,2x ~4,8x ~6,1x
Spannweite alle 20 Branchen 2,4-7,7x 3,5-9,7x 4,5-10,4x

Quelle: DUB KMU-Multiples Q1/2026 | Werte sind branchenspezifische Mittelwerte. Tatsächliche Multiplikatoren können nach individuellen Faktoren (Wachstum, Inhaberabhängigkeit, Kundenkonzentration) abweichen.

📊 Vollständige Branchen-Multiples Q1/2026: Die komplette Tabelle mit allen 20 Branchen × 3 Größenklassen (Micro/Small/Mid-Cap), Von-Bis-Bandbreiten und Bereinigungs-Checkliste finden Sie auf unserer Spezialseite EBITDA Multiples 2026.

Umsatzmultiplikator: Wann ist er sinnvoll?

Der Umsatzmultiplikator (auch Revenue Multiple) berechnet den Unternehmenswert auf Basis des Jahresumsatzes statt des Gewinns. Die Formel ist einfach:

Unternehmenswert = Jahresumsatz × Umsatzmultiplikator

Wann wird der Umsatzmultiplikator verwendet?

  • Verlustbringende Unternehmen: Wenn kein positives EBITDA vorhanden ist (z.B. Startups, Wachstumsunternehmen)
  • SaaS & Tech: Bei Software-Unternehmen mit hohem Wachstum, aber noch geringer Profitabilität
  • Erste Orientierung: Als schnelle Plausibilitätsprüfung neben anderen Methoden
  • Branchen mit stabilen Margen: Wenn Margen branchenweit ähnlich sind

Typische Umsatzmultiplikatoren nach Branche

Branche Umsatz-Multiple
SaaS / Software 2-10x
E-Commerce 0,5-2x
Dienstleistungen 0,5-1,5x
Handel / Großhandel 0,3-0,8x
Produktion / Fertigung 0,4-1x

Vorsicht beim Umsatzmultiplikator:

Der Umsatzmultiplikator ignoriert die Profitabilität. Ein Unternehmen mit 10 Mio. € Umsatz und 5% Marge ist deutlich weniger wert als eines mit 10 Mio. € Umsatz und 20% Marge. Deshalb ist das EBITDA-Multiple meist aussagekräftiger.

EBIT-Multiplikator vs. EBITDA-Multiplikator

Neben dem EBITDA-Multiple wird oft auch der EBIT-Multiplikator verwendet. Der Unterschied liegt in der Behandlung von Abschreibungen:

Kennzahl Definition Wann verwenden?
EBITDA Gewinn vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen Standard bei M&A, kapitalintensive Branchen
EBIT Gewinn vor Zinsen und Steuern, nach Abschreibungen Dienstleistungen, geringe Anlagevermögen

Faustformel: Vom EBITDA-Multiple zum EBIT-Multiple

Bei deutschen KMU liegen EBIT-Multiples typischerweise 20-30% über dem EBITDA-Multiple derselben Branche, weil das EBIT durch Abschreibungen niedriger ist. Eine grobe Umrechnung:

EBIT-Multiple ≈ EBITDA-Multiple × (EBITDA / EBIT)

Beispiel: Maschinenbau EBITDA 5,2x · EBITDA 1,0 Mio. €, EBIT 0,8 Mio. € → EBIT-Multiple ≈ 5,2 × (1,0/0,8) = 6,5x

Warum ist der Unterschied wichtig?

Bei Unternehmen mit hohen Abschreibungen (Maschinen, Fahrzeuge, Immobilien) ist das EBITDA deutlich höher als das EBIT. Das EBITDA zeigt die operative Ertragskraft vor Investitionen, während das EBIT die Abnutzung der Anlagen bereits berücksichtigt. Bei Dienstleistern mit wenig Anlagevermögen ist der Unterschied klein.

Vergleichsbeispiel: Maschinenbauer Small-Cap

Ein Maschinenbauer mit 15 Mio. € Umsatz hat:
• EBITDA: 1,0 Mio. € × 5,2x Multiple = 5,2 Mio. € Unternehmenswert
• EBIT: 0,8 Mio. € × 6,5x Multiple = 5,2 Mio. € Unternehmenswert

Wenn EBITDA-Multiple und EBIT-Multiple konsistent gewählt sind, kommen beide auf denselben Unternehmenswert. Die Differenz von 200 T€ EBITDA-EBIT sind genau die Abschreibungen auf Maschinen und Anlagen.

Hinweis: Für die Bewertung Ihres Unternehmens nach Branche und Größenklasse: Aktuelle EBITDA-Multiples Q1/2026 finden Sie hier.

Welcher Multiplikator gilt für Ihr Unternehmen? Kostenlose Erstberatung — wir ermitteln den realistischen Multiple für Ihr Unternehmen nach Branche, Größenklasse und individuellen Faktoren.
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KGV-Multiplikator (Kurs-Gewinn-Verhältnis)

Der KGV-Multiplikator (auch Gewinnmultiplikator oder P/E-Ratio) ist vor allem bei börsennotierten Unternehmen bekannt. Er setzt den Unternehmenswert ins Verhältnis zum Jahresüberschuss (Nettogewinn nach Steuern):

KGV = Unternehmenswert (Equity Value) ÷ Jahresüberschuss

Anwendung im Mittelstand:

Der KGV-Multiplikator wird bei nicht-börsennotierten Unternehmen seltener verwendet, weil der Jahresüberschuss durch Steuern und Finanzierungsstruktur verzerrt sein kann. Für eine erste Orientierung kann er dennoch nützlich sein:

  • KGV 5-10: Typisch für etablierte Unternehmen mit stabilem Gewinn
  • KGV 10-15: Unternehmen mit solidem Wachstum
  • KGV 15-25: Wachstumsunternehmen mit hohen Erwartungen
  • KGV >25: Stark wachsende Tech-Unternehmen oder Überbewertung

Tipp für KMU:

Für mittelständische Unternehmen ist das EBITDA-Multiple aussagekräftiger als das KGV. Das EBITDA neutralisiert Unterschiede in Steuergestaltung und Finanzierung und macht Unternehmen besser vergleichbar.

Welcher Multiplikator ist der richtige?

Die Wahl des richtigen Multiplikators hängt von Ihrem Unternehmen und der Branche ab:

Situation Empfohlener Multiplikator
Standard (die meisten KMU) EBITDA-Multiplikator
Kapitalintensive Unternehmen (Maschinen, Immobilien) EBITDA-Multiplikator
Dienstleister mit wenig Anlagevermögen EBIT- oder EBITDA-Multiplikator
Verlustbringende Wachstumsunternehmen Umsatzmultiplikator
Börsennotierte Vergleichsunternehmen KGV als Vergleich

Praxis-Empfehlung:

Verwenden Sie für die Unternehmensbewertung primär den EBITDA-Multiplikator – er ist der Marktstandard bei M&A-Transaktionen im Mittelstand. Ergänzen Sie die Bewertung durch Umsatz- oder EBIT-Multiples zur Plausibilisierung.

Multiplikatorverfahren vs. DCF, Ertragswert & Substanzwert

Das Multiplikatorverfahren ist nicht das einzige Verfahren zur Unternehmensbewertung. In der Praxis werden vier Hauptverfahren unterschieden – jedes mit anderen Stärken:

Verfahren Grundlage Wann passend?
Multiplikatorverfahren Vergleichbare Transaktionen (Marktwerte) M&A-Standard, KMU-Verkauf, schnelle Indikation
DCF-Verfahren Diskontierte zukünftige Cashflows Größere Transaktionen, IDW S1 Gutachten
Ertragswertverfahren Kapitalisierte nachhaltige Erträge Erbschaft/Schenkung, Wegzugsbesteuerung (§ 6 AStG), KMU-Steuergutachten
Substanzwertverfahren Saldo aller Vermögensgegenstände Liquidations-/Insolvenzfälle, vermögensschwere Unternehmen, Untergrenze

Multiplikatorverfahren vs. DCF-Verfahren – die wichtigsten Unterschiede

Die beiden meist eingesetzten Verfahren in der Praxis sind Multiplikatorverfahren und DCF-Verfahren. Welches wann?

Multiplikatorverfahren ist stärker bei:

  • KMU-Transaktionen (< 50 Mio. € Unternehmenswert)
  • Schneller Erstindikation
  • Schwer prognostizierbaren Cashflows (zyklische Branchen)
  • Verhandlungsgrundlage und Käuferargumentation
  • Vergleich mit konkreten realen Transaktionen

DCF-Verfahren ist stärker bei:

  • Größeren Transaktionen (> 50 Mio. €, Mid-/Large-Cap)
  • Stabilen, planbaren Cashflows (z.B. Infrastruktur)
  • IDW-S1-konforme Gutachten
  • Strategischen Bewertungen mit klarem Business Plan
  • Bewertung einzigartiger Unternehmen ohne Vergleichsdaten

Best Practice:

In der professionellen M&A-Praxis wird oft eine Kombination genutzt: Multiplikatorverfahren als schneller Reality-Check und Marktbezug, DCF-Verfahren als ergänzendes Modell für die strategische Wertanalyse. Übereinstimmende Ergebnisse beider Methoden geben höhere Verhandlungssicherheit.

Beispielrechnung: Maschinenbau-Unternehmen nach Größenklasse

Die Wirkung der Größenklasse auf den Unternehmenswert ist erheblich. Hier drei Beispiele für einen Maschinenbau-Unternehmer mit gleicher EBITDA-Marge (~7%), aber unterschiedlicher Größe – auf Basis der DUB Q1/2026-Daten:

Micro-Cap

3 Mio. € Umsatz

  • Umsatz: 3,0 Mio. €
  • EBITDA (bereinigt): 210 T€
  • EBITDA-Multiple (Mittel): 4,5x

Enterprise Value

~945 T€

Small-Cap

15 Mio. € Umsatz

  • Umsatz: 15,0 Mio. €
  • EBITDA (bereinigt): 1,05 Mio. €
  • EBITDA-Multiple (Mittel): 5,2x

Enterprise Value

~5,5 Mio. €

Mid-Cap

75 Mio. € Umsatz

  • Umsatz: 75,0 Mio. €
  • EBITDA (bereinigt): 5,25 Mio. €
  • EBITDA-Multiple (Mittel): 6,4x

Enterprise Value

~33,6 Mio. €

💡 Was die Beispiele zeigen:

Bei gleicher EBITDA-Marge wächst der Unternehmenswert überproportional mit der Größenklasse. Vom Micro- zum Mid-Cap-Beispiel: 25-fache EBITDA, aber 36-facher Unternehmenswert. Das ist der Grund, warum Exit-Vorbereitung über 2-3 Jahre vor dem Verkauf sinnvoll ist: Wer es schafft, in die nächste Größenklasse zu wachsen, hebt den Multiple zusätzlich – nicht nur die absolute EBITDA-Zahl.

Wichtig: Die Beispiele zeigen den Enterprise Value (Unternehmenswert). Für den Equity Value (was der Verkäufer erhält) müssen noch Schulden abgezogen und liquide Mittel addiert werden.

Tipp: Nutzen Sie unseren kostenlosen Unternehmenswert-Rechner, um eine erste Einschätzung für Ihr Unternehmen zu erhalten – mit Berücksichtigung der Größenklasse.

Vorteile und Grenzen des Multiplikatorverfahrens

✓ Vorteile

  • Schnell und praktikabel: Bewertung in wenigen Minuten möglich
  • Marktorientiert: Basiert auf realen Transaktionsdaten
  • Vergleichbar: Ermöglicht Benchmarking mit der Branche
  • Nachvollziehbar: Einfach zu kommunizieren und zu verstehen
  • Akzeptiert: Von Käufern, Banken und Beratern anerkannt

✗ Grenzen

  • Vereinfachung: Individuelle Faktoren nur bedingt abgebildet
  • Vergangenheitsbezogen: Basiert auf historischen Daten
  • Vergleichbarkeit: Passende Vergleichsunternehmen oft schwer zu finden
  • Bandbreite: Liefert Spanne, keinen exakten Wert
  • Nicht allein ausreichend: Für Gutachten zusätzliche Verfahren nötig

Häufige Fragen zum Multiplikatorverfahren

Welcher Multiplikator ist der richtige für mein Unternehmen? +
Bei profitablen Unternehmen mit stabilem Gewinn ist der EBIT- oder EBITDA-Multiplikator am aussagekräftigsten. Bei Wachstumsunternehmen oder Unternehmen mit geringem Gewinn wird oft der Umsatzmultiplikator herangezogen. Die Branche bestimmt maßgeblich die Höhe des Multiplikators – Software-Unternehmen erzielen typischerweise höhere Multiples als klassisches Handwerk. Wichtig: Die Unternehmensgröße (Micro/Small/Mid-Cap) beeinflusst den Multiple oft stärker als allgemein angenommen.
Was bedeuten Micro-Cap, Small-Cap und Mid-Cap im Mittelstand? +
Die DUB unterscheidet seit Q1/2026 drei Größenklassen anhand des Jahresumsatzes: Micro-Cap = unter 5 Mio. €, Small-Cap = 5 bis 50 Mio. €, Mid-Cap = über 50 Mio. €. Größere Unternehmen erzielen systematisch höhere Multiples wegen besserer Skalierbarkeit, professionellerer Strukturen, geringerer Inhaberabhängigkeit und größerem Käuferkreis. Der Sprung von Micro- zu Mid-Cap kann den Multiple um 50-100% erhöhen.
Wann verwende ich das Multiplikatorverfahren statt DCF? +
Das Multiplikatorverfahren ist Standard für KMU-Transaktionen unter 50 Mio. € Unternehmenswert, weil es schnell, marktnah und nachvollziehbar ist. Das DCF-Verfahren wird bei größeren Transaktionen, IDW-S1-Gutachten oder bei sehr planbaren Cashflows (Infrastruktur, langlaufende Verträge) bevorzugt. In der Praxis nutzen professionelle M&A-Berater oft beide Methoden parallel und vergleichen die Ergebnisse zur Plausibilisierung.
Wie normalisiere ich das EBIT für die Bewertung? +
Beim normalisierten EBIT werden einmalige oder nicht betriebsnotwendige Posten bereinigt: Überhöhtes Geschäftsführergehalt (Differenz zum Marktgehalt addieren), private Ausgaben über die Firma (addieren), einmalige Kosten wie Restrukturierung (addieren), einmalige Erträge (abziehen). Ziel ist ein nachhaltiges, wiederkehrendes Ergebnis, das die wahre Ertragskraft zeigt. Typische Bereinigungen erhöhen das EBITDA um 20-50%.
Warum schwanken Multiplikatoren so stark? +
Multiplikatoren spiegeln das Risiko-Rendite-Profil wider. Höhere Multiplikatoren gibt es bei: wiederkehrenden Umsätzen (SaaS, Wartungsverträge), geringer Kundenkonzentration, starkem Wachstum, geringer Inhaberabhängigkeit, skalierbaren Geschäftsmodellen. Niedrigere Multiplikatoren bei hoher Abhängigkeit von Einzelkunden, stagnierenden Märkten oder hohem operativen Risiko. Prüfen Sie mit unserem Exit Readiness Check, wie Ihr Unternehmen abschneidet.
Reicht das Multiplikatorverfahren für einen Unternehmensverkauf? +
Als erste Orientierung und für Verhandlungen ist das Multiplikatorverfahren sehr gut geeignet. Für verbindliche Zwecke (Finanzamt, Gesellschafterauseinandersetzung, Bankfinanzierung) wird oft ein vollständiges Gutachten nach IDW S1 Standard benötigt, das auch andere Verfahren wie DCF oder Ertragswert berücksichtigt.
Wo finde ich aktuelle Branchenmultiplikatoren? +
Gute Quellen für deutsche KMU-Multiplikatoren sind: DUB KMU-Multiples (kostenlos, quartalsweise aktualisiert, seit Q1/2026 auch nach Größenklasse), Finance Magazin (Transaktionsdatenbank), sowie M&A-Berater und Wirtschaftsprüfer, die Zugang zu professionellen Datenbanken wie Refinitiv oder PitchBook haben. Eine zusammengefasste Übersicht für 20 Branchen finden Sie hier: EBITDA Multiples 2026.
Wie kann ich meinen Multiplikator verbessern? +
Die größten Hebel: Inhaberabhängigkeit reduzieren (dokumentierte Prozesse, zweite Führungsebene), Kundenkonzentration senken (kein Kunde >20% Umsatz), wiederkehrende Umsätze aufbauen (Wartungsverträge, Subscriptions), und Wachstum nachweisen. Zusätzlich: Wenn möglich in die nächste Größenklasse wachsen – der Sprung von Micro- zu Small-Cap kann den Multiple um 20-30% erhöhen. Idealerweise beginnen Sie 2-3 Jahre vor einem geplanten Verkauf mit der systematischen Wertsteigerung.
Was ist der Unterschied zwischen Umsatz- und EBITDA-Multiplikator? +
Der Umsatzmultiplikator basiert auf dem Umsatz und ignoriert die Profitabilität. Der EBITDA-Multiplikator basiert auf dem operativen Gewinn und ist daher aussagekräftiger. Umsatzmultiples werden vor allem bei verlustbringenden Unternehmen oder SaaS-Firmen verwendet.
Wann verwende ich EBIT statt EBITDA? +
Das EBIT berücksichtigt Abschreibungen und eignet sich für Unternehmen mit geringem Anlagevermögen (z.B. Beratungen, Agenturen). Das EBITDA ist Standard bei kapitalintensiven Branchen wie Maschinenbau, Produktion oder Logistik, weil es die operative Ertragskraft vor Investitionsaufwand zeigt. Bei korrekter Anwendung sollten beide Methoden auf einen ähnlichen Unternehmenswert kommen.
Was ist ein Gewinnmultiplikator? +
Gewinnmultiplikator ist ein allgemeiner Begriff, der verschiedene Multiplikatoren umfasst: EBITDA-Multiple, EBIT-Multiple oder KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis). Im M&A-Kontext ist meist das EBITDA-Multiple gemeint, bei Börsenbewertungen das KGV.

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Zuletzt geprüft und aktualisiert am 12. Juni 2026 durch Severin Borch (CEPA – Certified Exit Planning Advisor).
Diese Seite wird quartalsweise auf Aktualität der Multiples, Marktdaten und regulatorischen Rahmenbedingungen überprüft. Letztes Daten-Update: DUB Q1/2026 (Juni 2026) – neu mit Größenklassen-Differenzierung.
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